Schritt 4 von 8

FLOW · erst messen

Weigh — abwägen, ob sich der Eingriff lohnt

W ist der letzte Schritt, in dem nichts verändert wird, und der einzige, in dem das Ergebnis „nichts tun“ lauten darf. Genau deshalb steht er vor REFY und nicht danach.

Gerechnet wird gegen die Zahlen aus L und den Befund aus O — nicht gegen einen Wunsch. Die Frage lautet nicht, was maximal möglich wäre, sondern was realistisch bleibt, wenn man die eigene Zeit, den Testaufwand und die ersten Wochen Doppelarbeit mitrechnet.

Beantwortet die Frage
Lohnt sich der Eingriff — und ab wann?
Ergebnis des Schritts
Eine begründete Entscheidung: welcher Hebel, was er kostet, was er einspart, ab wann er sich trägt. Oder die Feststellung, dass sich keiner trägt.

So wird der Schritt durchgeführt

  1. Den Engpass in Euro übersetzen

    Der Schritt aus O, gerechnet mit den Sätzen und Mengen aus L: Was kostet er pro Jahr, wenn alles bleibt, wie es ist? Das ist die Vergleichsgröße, gegen die jeder Eingriff antritt.

  2. Den möglichen Hebel beziffern, nicht den maximalen

    Nicht „automatisiert fällt der Schritt weg“, sondern: um welchen Anteil ließe sich die Zeit realistisch senken, und welcher Rest bleibt als Prüfung, Ausnahme und Nacharbeit übrig? Ein Hebel, der neunzig Prozent verspricht, hat den Rest nicht gerechnet.

  3. Die Kosten vollständig ansetzen

    Lizenz, Einrichtung, Test, Schulung, Betrieb — und die Zeit der eigenen Leute. Der letzte Posten wird fast immer vergessen und ist oft der größte. Er gehört mit demselben Vollkostensatz gerechnet wie die Prozesszeiten in L.

  4. Amortisation ausrechnen, nicht Rendite

    Wann ist das Geld wieder da? Als Spanne, aus der oberen und unteren Kostenschätzung. Alles jenseits von rund achtzehn Monaten ist im Mittelstand keine Entscheidung mehr, sondern eine Wette auf unveränderte Rahmenbedingungen.

  5. Die Nullvariante ernsthaft rechnen

    Was passiert, wenn nichts geschieht — wächst die Menge, wächst der Schaden, oder bleibt es, wie es ist? Manchmal lautet die ehrliche Antwort: nichts Schlimmes. Dann ist das Ergebnis dieses Schritts, nichts zu tun, und der Zyklus beginnt mit dem zweitteuersten Kandidaten neu.

Fertig, wenn

  • Für den einen Hebel liegen Kosten und Ersparnis als Spannen vor.
  • Die eigene Arbeitszeit steht als Posten in der Kostenrechnung.
  • Die Amortisation steht als Zeitraum da, nicht als Zahl.
  • Die Nullvariante ist gerechnet und nicht nur erwähnt.
  • Die Entscheidung ließe sich einer Geschäftsführung in drei Sätzen erklären.

Der typische Fehler

Die eigene Zeit nicht mitrechnen

In fast jeder Wirtschaftlichkeitsrechnung stehen Lizenz- und Einrichtungskosten. Was fehlt, ist die Zeit der eigenen Leute: Abstimmung, Test, Nacharbeit, die ersten Wochen, in denen alter und neuer Weg parallel laufen. Rechnet man sie mit demselben Vollkostensatz an, den man in L verwendet hat, kippen Vorhaben, die auf dem Papier lohnend aussahen. Genau dafür ist dieser Schritt da — und es ist billiger, hier zu kippen als nach dem Kauf.

Werkzeug

Was sich selbst rechnen lässt

Der Automatisierungs-Check prüft, ob ein Prozess für einen technischen Eingriff überhaupt geeignet ist: Menge, Regelmäßigkeit, Ausnahmen, Datenlage. Der Reifegrad-Rechner liefert dazu den zweiten Teil der Antwort — ein Prozess ohne festen Ablauf trägt keinen Hebel, gleich wie teuer er ist.

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ABB. 01Acht Schritte im Uhrzeigersinn. Die rechte Hälfte misst, die linke verfeinert; nach Y beginnt der Zyklus wieder bei F. Hervorgehoben: Weigh.
FAQ

Häufige Fragen

Häufiger, als es in Angeboten steht. Zwei Fälle sind typisch: Der Engpass liegt außerhalb des eigenen Einflussbereichs — bei einem Kunden, einer Behörde, einem Lieferanten —, oder die Menge ist zu klein. Ein Prozess mit vierzig Vorgängen im Jahr trägt keine Lizenz und keinen Einrichtungsaufwand, so ärgerlich er auch sein mag.

Weil eine Renditekennzahl eine Prozentzahl ohne Zeitachse ist: Wählt man den Betrachtungszeitraum lang genug, sieht jede Investition gut aus. Die Frage, die tatsächlich entschieden wird, lautet aber: Wann habe ich das Geld wieder? Darauf antwortet eine Amortisationszeit, und sie lässt sich in Y überprüfen.

Dann wird der mit der kürzeren Amortisation gebaut und der andere als Kandidat für den nächsten Zyklus notiert. Zwei gleichzeitig gebaute Hebel lassen sich in Y nicht mehr auseinanderhalten; danach weiß niemand, welcher gewirkt hat, und der übernächste Zyklus beginnt mit einer Vermutung statt mit einem Befund.

Wenn Sie wissen wollen, was Ihr Prozess kostet: messen Sie ihn.

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