Schritt 5 von 8

REFY · dann verfeinern

Reduce — Ballast raus

R ist der erste Schritt, in dem etwas verändert wird, und der billigste. Er wird trotzdem regelmäßig übersprungen, weil er nach Arbeit aussieht und nicht nach Fortschritt: Ein gestrichener Freigabeschritt lässt sich niemandem vorführen, ein neues Werkzeug schon.

Der Maßstab ist nicht Eleganz, sondern Notwendigkeit. Jeder Schritt muss eine Entscheidung tragen, die tatsächlich fällt. Was seit Jahren mitläuft, weil es einmal einen Vorfall gab, ist kein Prozessschritt, sondern eine Narbe.

Beantwortet die Frage
Was kann weg, bevor irgendetwas gebaut wird?
Ergebnis des Schritts
Ein Prozess mit weniger Schritten, weniger Systemwechseln und weniger Warteschleifen — ohne dass eine Lizenz gekauft wurde.

So wird der Schritt durchgeführt

  1. Jeden Schritt gegen seinen Zweck stellen

    Welche Entscheidung hängt von diesem Schritt ab, und wie oft ist sie in den letzten zwölf Monaten anders ausgefallen als die Regel? Wo die Antwort „nie“ lautet, ist der Schritt ein Kandidat zum Streichen.

  2. Medienbrüche zählen

    Jede Stelle, an der ein Mensch Daten aus einem System in ein anderes überträgt. Jeder Bruch ist gleichzeitig eine Fehlerquelle und eine Wartestelle. Die Zahl der Brüche vor und nach diesem Schritt ist eine der ehrlichsten Kennzahlen, die ein Prozess hat.

  3. Doppelte Erfassung suchen

    Dieselbe Angabe in zwei Systemen. Meist ist eines davon das führende, und das andere hält jemand aus Gewohnheit gepflegt — häufig jemand, der nicht weiß, dass niemand hineinschaut.

  4. Warteschleifen aufmachen

    Sammelläufe, feste Termine, wöchentliche Freigaberunden. Wer einen wöchentlichen Sammellauf auf täglich stellt, senkt die mittlere Liegezeit um Tage und zahlt dafür nichts. Das ist der größte Hebel dieses Schritts und der am leichtesten übersehene, weil Liegezeit in keiner Lohnabrechnung auftaucht.

  5. Grenzwerte einführen statt Einzelfallprüfung

    Statt jede Bestellung freizugeben: alles unter einem festgelegten Betrag läuft durch, darüber wird geprüft, und im Nachgang wird stichprobenartig kontrolliert. Das ist keine Lockerung der Kontrolle, sondern die Entscheidung, wo sie etwas kostet und wo sie etwas bringt.

Fertig, wenn

  • Der Prozess hat nachweislich weniger Schritte als vor R — gezählt, nicht gefühlt.
  • Jeder verbliebene Schritt hat einen benennbaren Zweck und eine Entscheidung, die er trägt.
  • Für jeden gestrichenen Schritt steht fest, wer der Streichung zugestimmt hat.
  • Die Zahl der Medienbrüche ist gesunken oder ausdrücklich als unveränderbar begründet.
  • Bis hierher wurde nichts gekauft.

Der typische Fehler

Chaos automatisieren

Ein Prozess mit vier überflüssigen Freigaben wird durch Automatisierung nicht besser, sondern schneller falsch — und die vier Freigaben sind danach in einem Werkzeug festgeschrieben, das jemand pflegen muss. Jede spätere Änderung kostet dann zusätzlich Konfigurationsaufwand. Aufräumen ist der Schritt mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung im ganzen Zyklus, und er wird übersprungen, weil er sich nicht vorzeigen lässt.

Werkzeug

Was sich selbst rechnen lässt

Für R gibt es keinen Rechner — es ist eine Reihe von Entscheidungen, keine Rechnung. Der Reifegrad-Rechner zeigt allerdings vorab, wie viel Ballast zu erwarten ist: viele Ausnahmen und kein fester Ablauf bedeuten, dass R der eigentliche Hebel wird und nicht F.

FLOWREFYmessenverfeinernFFindLLay bareOObserveWWeighRReduceEEnableFFitYYield
ABB. 01Acht Schritte im Uhrzeigersinn. Die rechte Hälfte misst, die linke verfeinert; nach Y beginnt der Zyklus wieder bei F. Hervorgehoben: Reduce.
FAQ

Häufige Fragen

An seiner Ablehnungsquote. Wer zweihundert Freigaben im Jahr erteilt und nie eine verweigert hat, führt keine Kontrolle durch, sondern eine Zeremonie. Der Ersatz ist ein Grenzwert plus eine Stichprobe im Nachgang — dieselbe Sicherheit, ein Bruchteil der Liegezeit.

Er muss aus L und O als Schrittfolge vorliegen, sonst weiß niemand, was gestrichen wird. Eine vollständige Prozessdokumentation nach Norm ist dafür nicht nötig und wäre an dieser Stelle sogar hinderlich: Was gerade gestrichen wird, muss nicht vorher beschrieben werden.

Dann bleibt er, und zwar ohne weitere Diskussion. Vier-Augen-Prinzipien, Aufbewahrungspflichten und Prüfschritte aus einer Zertifizierung sind keine Kandidaten für R. Prüfen lässt sich trotzdem, ob sie an der richtigen Stelle im Ablauf sitzen — eine Pflichtprüfung am Anfang kostet weniger Nacharbeit als dieselbe Prüfung am Ende.

Wenn Sie wissen wollen, was Ihr Prozess kostet: messen Sie ihn.

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