Schritt 1 von 8

FLOW · erst messen

Find — die Kandidaten finden

F ist Sammeln, nicht Auswählen. Der Schritt endet mit einer Liste, nicht mit einem Sieger. Das klingt nach einer Formalie und ist der Grund, warum die meisten Optimierungsvorhaben am falschen Prozess arbeiten: Wer sofort priorisiert, priorisiert nach Lautstärke, weil noch keine Zahl da ist, nach der man sortieren könnte.

Gesucht wird nicht der schlimmste Prozess, sondern das vollständige Feld. Ein Kandidat, der in F fehlt, kann in L nicht gewinnen — und die teuersten Prozesse fallen erfahrungsgemäß auf, weil sie viel laufen, nicht weil sie ärgern.

Beantwortet die Frage
Welche Prozesse kommen überhaupt infrage?
Ergebnis des Schritts
Eine Liste von fünf bis fünfzehn Prozessen, jeder mit Auslöser, Ergebnis und ungefährer Jahresmenge. Keine Reihenfolge, keine Bewertung.

So wird der Schritt durchgeführt

  1. Den Umfang festlegen

    Eine Abteilung, ein Auftragstyp, ein Quartal. Wer „alle Prozesse im Unternehmen“ sagt, bekommt eine Liste, die niemand abarbeitet. Der Umfang gehört schriftlich fixiert, sonst wandert er während der Erhebung.

  2. Drei Spuren gleichzeitig lesen

    Stau: Wo liegen Vorgänge herum, wo wird nachgefasst, wo gibt es Wiedervorlagen? Handarbeit: Wo werden Daten von Hand aus einem System in ein anderes übertragen? Beschwerde: Worüber wird geklagt, von wem, wie oft? Jede Spur findet andere Prozesse; zwei Spuren allein liefern ein schiefes Feld.

  3. Fragen, nicht ableiten

    Gesprochen wird mit denen, die den Prozess ausführen, nicht mit denen, die ihn beschreiben können. Drei Fragen reichen für den Anfang: Was hat Sie diese Woche am meisten aufgehalten? Was tippen Sie regelmäßig ein zweites Mal ab? Worauf warten Sie am längsten?

  4. Jeden Kandidaten in einem Satz festhalten

    Auslöser, Ergebnis, ungefähre Menge pro Jahr. Mehr nicht. Wer hier schon Schrittfolgen aufnimmt, verbringt Tage mit Prozessen, die in L ohnehin ausscheiden.

  5. Nicht bewerten

    Die Versuchung, schon zu sortieren, ist am Ende dieses Schritts am größten — die Eindrücke sind frisch und einer davon ist der lauteste. Sortiert wird in L, mit Euro.

Fertig, wenn

  • Jeder Kandidat hat einen Auslöser und ein Ergebnis, beides in einem Satz.
  • Für jeden Kandidaten liegt eine grobe Jahresmenge vor. Geschätzt ist erlaubt, geraten nicht — die Größenordnung muss jemand verantworten.
  • Mindestens eine Person, die den Prozess ausführt, hat ihn bestätigt.
  • Doppelnennungen sind zusammengefasst: Zwei Abteilungen, die denselben Ablauf verschieden nennen, sind ein Kandidat.

Der typische Fehler

Mit dem lautesten Prozess anfangen

Wer sich am lautesten beschwert, hat nicht den teuersten Prozess, sondern den ärgerlichsten. Ärger entsteht durch Unterbrechungen und Rückfragen, Kosten entstehen durch Menge. Ein Vorgang, der zwölfmal im Jahr nervt, wiegt weniger als einer, der zweitausendmal im Jahr fünf Minuten kostet — und niemand beschwert sich über fünf Minuten. In F ist beides gleich viel wert: eine Nennung.

Werkzeug

Was sich selbst rechnen lässt

Der Engpass-Rechner stellt die Fragen aus diesem Schritt strukturiert und sortiert die Antworten. Er ersetzt die Gespräche nicht; er sorgt dafür, dass keine der drei Spuren vergessen wird.

FLOWREFYmessenverfeinernFFindLLay bareOObserveWWeighRReduceEEnableFFitYYield
ABB. 01Acht Schritte im Uhrzeigersinn. Die rechte Hälfte misst, die linke verfeinert; nach Y beginnt der Zyklus wieder bei F. Hervorgehoben: Find.
FAQ

Häufige Fragen

Fünf bis fünfzehn. Unter fünf ist der Umfang zu eng gefasst und die Auswahl in L bedeutungslos. Über fünfzehn wird L teurer als sein Ergebnis, weil jeder Kandidat dort eine eigene Rechnung bekommt.

Nein. Process Mining setzt voraus, dass ein Prozess bereits in einem System läuft und dort Spuren hinterlässt. Die Prozesse, die am meisten kosten, laufen erfahrungsgemäß in Tabellen, E-Mail-Postfächern und im Kopf einzelner Leute. Für diesen Schritt sind Gespräche die verlässlichere Quelle.

Das ist ein Fund, kein Problem. Zwei Beschreibungen desselben Ablaufs, die nicht zusammenpassen, deuten meist auf einen Medienbruch oder eine ungeklärte Zuständigkeit — beides taucht später in R und E wieder auf. In F wird es notiert und der Kandidat bleibt einer.

Wenn Sie wissen wollen, was Ihr Prozess kostet: messen Sie ihn.

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