Geschäftsprozesse
optimieren

Die meisten Optimierungen scheitern nicht an der Methode, sondern am Zuschnitt: Es wird ein Schritt verbessert, während der Engpass zwei Abteilungen weiter liegt. Erst messen, dann verfeinern.

01Begriff

Was ein Geschäftsprozess ist — und was nur eine Aufgabe

Ein Geschäftsprozess ist eine Kette von Schritten, die von einem Auslöser zu einem Ergebnis führt, das jemand außerhalb der Kette haben will.

Eine Anfrage kommt herein, ein Angebot geht heraus. Eine Rechnung trifft ein, eine Zahlung verlässt das Haus. Der Auslöser und das Ergebnis sind das Wesentliche, nicht die Abteilungen dazwischen.

Genau darin liegt der Unterschied zur Aufgabe: Eine Aufgabe erledigt eine Person an einem Platz. Ein Geschäftsprozess läuft quer durch das Haus und wechselt dabei mehrfach den Besitzer. Wer nur Aufgaben betrachtet, optimiert lokal und verschiebt die Wartezeit nur an eine andere Stelle.

Die Übergaben sind der Ort, an dem Geschäftsprozesse tatsächlich Zeit verlieren. Nicht die Bearbeitung, sondern das Liegen dazwischen. Ein Vorgang, den drei Abteilungen anfassen, wartet in der Regel länger, als er bearbeitet wird — und diese Wartezeit taucht in keinem Stundenzettel auf.

Sie steht auch in keinem ERP-Bericht, weil dort nur erfasst wird, wann etwas gebucht wurde, nicht wann es hätte gebucht werden können.

02Zuschnitt

Der Zuschnitt entscheidet, nicht die Methode

Bevor irgendeine Methode greift, muss der Prozess eine Grenze haben.

Wo fängt er an, wo hört er auf, und wer ist der Kunde des Ergebnisses? Diese drei Fragen klingen banal und sind der häufigste Grund für folgenlose Projekte. Ein zu eng geschnittener Prozess führt dazu, dass man den Engpass gar nicht im Bild hat.

Ein zu weit geschnittener führt dazu, dass nie eine Entscheidung fällt, weil zu viele Beteiligte mitreden. Als Faustregel taugt der Auslöser: Alles, was zwischen dem auslösenden Ereignis und dem verwertbaren Ergebnis passiert, gehört dazu — auch dann, wenn es in einer anderen Abteilung passiert, und gerade dann. Wer den Angebotsprozess bei der Kalkulation beginnen lässt, übersieht die Tage, die die Anfrage vorher im Postkorb lag.

Zum Zuschnitt gehört auch die Entscheidung, welche Varianten mitgezählt werden. Kaum ein realer Ablauf hat nur einen Weg: Es gibt den Normalfall, den Eilfall und den Sonderfall, und der Sonderfall frisst oft die meiste Zeit. Wird er als Ausnahme aus der Betrachtung genommen, sieht der Prozess auf dem Papier gesund aus, während im Alltag jeder dritte Vorgang durch die Sonderschleife läuft.

Der Ablauf einer Optimierung

Acht Schritte, benannt nach der Methode: FLOW misst, REFY verfeinert. Die Reihenfolge ist nicht beliebig — jeder Schritt macht den nächsten erst möglich.

  1. Kandidaten finden

    Wo staut sich Arbeit, wo wird von Hand abgetippt, wo beschweren sich Leute? Am Ende steht eine Liste, keine Diagnose. Wer hier schon weiß, was das Problem ist, hat nicht gesucht, sondern bestätigt.

  2. Ist-Zustand beziffern

    Jeder Kandidat bekommt eine Zahl: was er heute pro Jahr kostet, als Spanne statt als Scheingenauigkeit. Ohne diese Zahl lässt sich später nicht sagen, ob sich etwas gelohnt hat.

  3. Im Stresstest den Engpass suchen

    Der Prozess wird hunderte Male durchgerechnet, mit schwankenden Bearbeitungszeiten statt Mittelwerten. Erst dabei zeigt sich, welcher Schritt tatsächlich blockiert — und das ist selten der, den alle nennen.

  4. Abwägen, ob sich der Eingriff lohnt

    Der Hebel wird gegen seine Kosten gerechnet. Manchmal lautet das Ergebnis, dass sich nichts lohnt. Das ist ein zulässiges Ergebnis und billiger als jedes Projekt, das man hinterher abbrechen muss.

  5. Ballast entfernen

    Doppelerfassungen, Medienbrüche und Warteschleifen fliegen zuerst. Das kostet keine Lizenz und wirkt sofort. Wer Chaos automatisiert, bekommt schnelleres Chaos.

  6. Rollen klarziehen

    Wer entscheidet, wer führt aus, wer wird nur informiert? Ein großer Teil der Engpässe sind keine Kapazitätsprobleme, sondern Zuständigkeitsprobleme — und die löst keine Software.

  7. Genau einen Hebel bauen

    Erst jetzt wird Technik angefasst, und zwar an genau einer Stelle. Systeme verbinden statt ersetzen: Excel bleibt Excel, das ERP bleibt das ERP.

  8. Den Ertrag belegen

    Dieselbe Messung läuft erneut. Das Ergebnis ist ein Vorher-Nachher in Euro — und die ehrliche Auskunft, wenn der Effekt kleiner ausfiel als erwartet.

Vier Fehler, die den Zuschnitt ruinieren

Alle vier passieren, bevor die erste Maßnahme beschlossen ist. Danach sind sie teuer zu korrigieren.

01

Der Prozess endet an der Abteilungsgrenze

Das Problem:

Betrachtet wird, was die eigene Abteilung tut. Was davor und danach passiert, gilt als fremdes Thema. Die Optimierung verkürzt dann die Bearbeitung um Stunden, während der Vorgang zwei Türen weiter Tage liegt.

Die Lösung:

Den Prozess vom auslösenden Ereignis bis zum Ergebnis schneiden, unabhängig von Zuständigkeiten. Wenn dabei drei Abteilungen im Bild sind, ist das der Befund, nicht das Problem.

02

Gerechnet wird mit Mittelwerten

Das Problem:

Die durchschnittliche Bearbeitungszeit sagt nichts über die Durchlaufzeit. Ein Schritt, der im Mittel zwei Stunden dauert, aber gelegentlich zwei Tage, bestimmt den Takt der ganzen Kette — und verschwindet im Durchschnitt vollständig.

Die Lösung:

Mit Spannen rechnen statt mit Mittelwerten. Erst eine Simulation über viele Durchläufe zeigt, welcher Schritt den Stau erzeugt und welcher ihn nur erbt.

03

Der Sonderfall wird ausgeklammert

Das Problem:

Man modelliert den Normalfall, weil er sich sauber aufzeichnen lässt. Der Eilauftrag, die Reklamation und der Kunde mit der eigenen Bestellsystematik bleiben draußen — obwohl sie zusammen oft den größeren Teil des Aufwands ausmachen.

Die Lösung:

Varianten zählen, bevor man sie bewertet. Wenn der Sonderfall häufiger vorkommt als angenommen, ist er der Prozess und der Normalfall die Ausnahme.

04

Zuerst wird ein Werkzeug ausgesucht

Das Problem:

Die Entscheidung für eine Software fällt, bevor der Engpass bekannt ist. Danach wird der Prozess so zurechtgebogen, dass er zum Werkzeug passt, und jede spätere Messung misst nur noch, ob die Einführung geklappt hat.

Die Lösung:

Erst messen, dann entscheiden. Die Werkzeugfrage ist die vorletzte Frage im Ablauf, nicht die erste — und manchmal lautet die Antwort, dass kein neues Werkzeug nötig ist.

Sechs Bereiche, sechs typische Engpässe

Die Methode ist überall dieselbe. Was sich unterscheidet, ist die Stelle, an der die Zeit verloren geht.

01

Produktion

Fokus:
Rüstzeiten, Materialbereitstellung, Nacharbeit nach Qualitätsmeldungen.
Methoden:
Der Engpass liegt oft nicht an der Maschine, sondern in der Freigabe davor.
02

Verwaltung

Fokus:
Freigaben, Dokumentenläufe, Datenerfassung in mehreren Systemen.
Methoden:
Typisch: dieselbe Angabe wird drei Mal getippt, weil die Systeme nicht reden.
03

Vertrieb

Fokus:
Anfrage bis Angebot, Kalkulation, Nachfassen und Auftragsübergabe.
Methoden:
Der Stau entsteht meist bei der technischen Klärung, nicht beim Verkäufer.
04

Logistik

Fokus:
Wareneingang, Kommissionierung, Versandvorbereitung, Retouren.
Methoden:
Wartezeit auf Papiere übertrifft häufig die eigentliche Bewegungszeit.
05

Personal

Fokus:
Einstellung, Onboarding, Zeiterfassung, Bescheinigungen.
Methoden:
Viele Schritte sind Rückfragen — ein Zuständigkeits-, kein Kapazitätsproblem.
06

Finanzen

Fokus:
Rechnungseingang, sachliche Prüfung, Freigabe, Zahlungslauf.
Methoden:
Die Rechnung liegt selten im System fest, sondern bei einer einzelnen Person.
FAQ

Häufige Fragen

Nicht mit dem, über den am lautesten geklagt wird. Sinnvoller ist, alle Kandidaten grob zu beziffern und erst dann zu entscheiden. Der Prozess, der die meisten Beschwerden erzeugt, ist häufig nicht der teuerste — und der teuerste fällt oft niemandem auf, weil sich die Verluste über viele kleine Wartezeiten verteilen.

Die Messung eines abgegrenzten Prozesses ist eine Frage von Tagen, nicht von Monaten: Ablauf aufnehmen, Zeiten erheben, simulieren, beziffern. Wie lange die Umsetzung dauert, hängt davon ab, was gefunden wurde. Ballast entfernen und Rollen klären wirkt oft innerhalb weniger Wochen; eine technische Anbindung braucht länger.

Meistens nicht als Erstes. Die beiden Schritte mit der schnellsten Wirkung — Doppelarbeit entfernen und Zuständigkeiten klären — kosten keine Lizenz. Wenn danach noch ein Hebel übrig ist, geht es um eine Verbindung zwischen bestehenden Systemen, nicht um deren Ablösung.

Digitalisierung überführt einen Ablauf in ein System. Optimierung ändert den Ablauf. Wer zuerst digitalisiert, gießt den heutigen Zustand in Software — samt aller Umwege. Deshalb steht die Messung vorn: Sie entscheidet, welcher Teil überhaupt digitalisiert gehört.

Dann ist das das Ergebnis, und es wird so gesagt. Ein Prozess, der im Jahr wenige Stunden kostet, rechtfertigt kein Projekt. Diese Auskunft früh zu bekommen ist der günstigere Ausgang, verglichen mit einem Vorhaben, das man nach sechs Monaten still einstellt.

Wenn Sie wissen wollen, was Ihr Prozess kostet: messen Sie ihn.

Beginnen Sie mit der kostenlosen Diagnose oder laden Sie FlowVisual. Wenn Sie danach mit jemandem sprechen wollen, sind wir erreichbar.