Wie ein einziger Fix in Odoo 12 Minuten pro Tag spart
Manchmal braucht man keine neue Software. Manchmal braucht man nur den richtigen Fix an der richtigen Stelle.
Das klingt banal - aber in der Praxis sehen wir es ständig: Unternehmen investieren fünfstellige Beträge in neue Tools, obwohl das eigentliche Problem in wenigen Zeilen Code lösbar wäre. Dieses Beispiel zeigt, was wir meinen.
Das Problem: Ein leeres Empfängerfeld
Wer Odoo Community Edition als CRM nutzt, kennt das vielleicht: Man öffnet einen Lead, klickt auf "E-Mail senden" - und der Mail-Composer öffnet sich mit einem leeren Empfängerfeld.
Der Kontakt ist im Lead hinterlegt. Die E-Mail-Adresse steht da. Aber der Composer übernimmt sie nicht.
Was folgt, ist jedes Mal dasselbe:
- Kontaktname im Empfängerfeld eintippen
- Aus der Dropdown-Liste den richtigen Kontakt auswählen
- Erst dann die eigentliche E-Mail schreiben
Das dauert vielleicht 15 Sekunden pro E-Mail. Klingt nach nichts.
Die Rechnung, die niemand macht
Aber rechnen wir mal: Bei rund 50 E-Mails pro Tag aus dem CRM sind das 12 Minuten täglicher Zeitverlust - nur für das manuelle Eintragen eines Empfängers, der eigentlich schon da ist.
Auf den Monat gerechnet sind das über 4 Stunden. Auf das Jahr hochgerechnet: rund 50 Stunden pro Mitarbeiter.
50 Stunden pro Jahr. Für eine Aufgabe, die das System eigentlich automatisch erledigen sollte.
Und das ist nur der messbare Teil. Der eigentliche Schaden ist subtiler: Jeder zusätzliche Klick ist eine Stelle, an der jemand abgelenkt wird, den Faden verliert oder die E-Mail gar nicht erst schreibt. Gerade im Vertrieb zählt Geschwindigkeit - und jede unnötige Hürde kostet Abschlüsse.
Die naheliegende Lösung - und warum sie falsch ist
Die offensichtliche Antwort: Odoo Enterprise kaufen. Dort funktioniert der Mail-Composer besser, es gibt mehr Features, besseren Support.
Aber Odoo Enterprise wird pro User und Monat lizenziert. Für ein Team mit 10 Leuten sind das schnell mehrere hundert Euro im Monat - für ein Feature, das im Kern eine fehlende Zeile Code ist.
Das ist kein Argument gegen Odoo Enterprise. Es gibt gute Gründe für ein Upgrade. Aber wenn das einzige Problem ein leeres Empfängerfeld ist, dann ist ein Lizenzwechsel wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.
Unsere Lösung: Eine Python-Datei
Wir haben das Problem analysiert und festgestellt: Der Mail-Composer in Odoo Community berücksichtigt beim Öffnen aus einem CRM-Lead schlicht nicht den hinterlegten Kontakt. Das ist kein Bug im klassischen Sinne - es fehlt einfach die Logik dafür.
Die Lösung ist ein minimales Odoo-Modul, das genau eine Sache tut: Wenn der Mail-Composer aus einem CRM-Lead geöffnet wird, wird der Kontakt des Leads automatisch als Empfänger eingetragen.
Das ist alles. Kein neues Menü, keine neuen Datenbankfelder, keine Konfiguration. Eine einzige Python-Datei, die das Verhalten des Mail-Composers für CRM-Leads erweitert. Alles andere bleibt unverändert.
Vorher
Man klickt auf "E-Mail senden", der Composer geht auf - Empfängerfeld leer. Man tippt den Kontaktnamen ein, wartet auf die Dropdown-Liste, klickt den richtigen Eintrag an. Dann erst kann man schreiben.
Nachher
Man klickt auf "E-Mail senden", der Composer geht auf - der Empfänger ist schon da. Man schreibt direkt los.
Warum wir das erzählen
Nicht weil es technisch beeindruckend wäre - das Gegenteil ist der Fall. Wir erzählen es, weil es ein Muster zeigt, das wir immer wieder sehen:
Ein kleines, konkretes Problem wird zum Anlass für eine große, teure Entscheidung.
- "Der Mail-Composer nervt" wird zu "Wir brauchen Odoo Enterprise"
- "Die Tabelle ist unübersichtlich" wird zu "Wir brauchen ein neues ERP"
- "Das Reporting fehlt" wird zu "Wir brauchen eine BI-Plattform"
Manchmal stimmt das. Manchmal ist die große Lösung die richtige. Aber oft lohnt es sich, erst zu fragen: Was genau ist das Problem - und was ist die kleinste Lösung, die es behebt?
Wann reicht ein Fix - und wann braucht man doch neue Software?
Ein gezielter Fix reicht, wenn:
- Das Problem klar eingegrenzt ist - ein Feature fehlt, ein Ablauf hakt
- Die bestehende Software grundsätzlich passt und im Team akzeptiert ist
- Der Fix wartbar bleibt und keine fragile Sonderlösung ist
- Die Kosten für den Fix deutlich unter den Kosten eines Systemwechsels liegen
Neue Software ist sinnvoll, wenn:
- Mehrere fundamentale Anforderungen nicht abgedeckt sind
- Das bestehende System nicht mehr weiterentwickelt wird
- Die Architektur strukturell nicht passt - z.B. keine API, keine Mandantenfähigkeit
- Der Aufwand für Workarounds die Lizenzkosten übersteigt
Fazit
Dieses Beispiel ist bewusst klein gewählt. Es geht nicht um eine Revolution, sondern um eine Haltung: Bevor man nach neuer Software sucht, lohnt sich ein genauer Blick auf das, was man schon hat.
Wir nutzen diesen Fix selbst jeden Tag. Er spart uns Zeit und Nerven. Und er hat uns nichts gekostet außer ein paar Stunden Analyse und Entwicklung.
Das Modul ist übrigens kostenlos als Open Source auf dem Odoo App Store verfügbar - weil wir finden, dass so ein grundlegender Workflow-Fix jedem Odoo-Community-Nutzer zur Verfügung stehen sollte.
Du hast ein ähnliches Problem in deinem System? Oft reicht ein Gespräch, um herauszufinden, ob ein gezielter Fix möglich ist - bevor man über teure Alternativen nachdenkt.